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Aktuelle Alternativen zur Kapital-Lebensversicherung (Teil 2): Instrumente für eine eigene private Altersvorsorge


Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge

In diesem Teil 2 möchte ich einen ganz einfachen und allgemeinen, für Jedermann verständlichen und grundsätzlich möglichen Überblick über wesentliche Instrumente der privaten Altersvorsorge geben. Quelle ist ebenfalls die bereits in Teil 1 verwendete, ältere Übersicht der Stiftung Warentest (Test.de).

Zu Beginn werden – der Vollständigkeit und Fairness halber sowie aus Vergleichsgründen – nochmals alle üblichen Versicherungsprodukte (private Rentenversicherung und Kapital-Lebensversicherung, klassische bzw. fondsgebundene Variante) aufgeführt.

Alternativ sollte man sich in jedem Fall die anderen Produktmöglichkeiten ansehen und entscheiden, welche Problemlösung für die eigene private Altersvorsorge vor dem Hintergrund der jeweiligen Lebenssituation sowie der individuellen Wünsche und Ziele möglicherweise geeignet sein könnte. Auf die Darstellung spezieller und relativ komplizierter Produktlösungen (ETF-Anlagen, Gold-Sparpläne u.ä.) wurde bewußt verzichtet, um die Übersicht kompakt und verständlich zu halten. Auch hier gilt, eine kompetente und erfahrene Person bzw. Institution des Vertrauens in die Anlageentscheidung einzubeziehen, bevor man sich endgültig für ein Anlageprodukt entscheidet.

Bei den klassischen Bankprodukten muss man aufgrund der aktuellen Zinssituation mit einer Real-Enteignung (Zinserträge deutlich unter der aktuellen Inflationsrate = Kapitalverlust) rechnen. Ob diese Produkte künftig – bei steigendem Zinsniveau – wieder reale Rendite erwirtschaften werden bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zu den Versicherungsprodukten sind die verschiedenen Bankalternativen einfach, transparent und vor allem ohne größere Kosten.

Die in der Aufstellung ausgewiesenen Bundesschatzbriefe werden seit 01.01.2013 übrigens NICHT mehr ausgegeben, sind also für aktuelle, langfristige Anlageentscheidungen im Rahmen der privaten Altersvorsorge nicht mehr zu berücksichtigen.

Im Bereich der Investmentfonds-Sparpläne kann man sich grundsätzlich für relativ risikoarme Rentenfonds, risikoreichere Aktienfonds oder einen Fonds-Mix (Verteilung der Ansparbeträge auf Renten- und Aktienfonds) entscheiden. Die meisten Investmentfondsgesellschaften bieten auch sog. „Dachfonds“ speziell für die private Altersversorgung an. Wichtig ist – neben der Bewertung der Risiken sowie der Kostenstrukturen einzelner Fonds – langfristig die Qualität des Fondsmanagements. Hierbei helfen sog. „Performance-Vergleiche“, obgleich diese lediglich Aussagen zur Vergangenheit liefern, die NICHT auf die Zukunft übertragen werden können. Dennoch merkt man bei Vergleichen sehr schnell, wie unterschiedlich die Ergebnisse bei verschiedenen Fondsgesellschaften in einzelnen Anlagesegmenten ausfallen können.

Langfristig sollten – insbesondere Sparpläne mit Aktienanteil oder Aktienschwerpunkt – ein deutlich über der Inflationsrate liegendes, positives Anlage-Ergebnis für die private Altersvorsorge erwirtschaften. Viele Gesellschaften bieten insbesondere auch gemanagte Mix-Modelle an, d.h., man beginnt mit einem hohen Aktienanteil innerhalb der Sparanlage in den ersten Jahren, der in den letzten Jahren der Produktlaufzeit zugunsten einer risikoarmen Rentenfonds-Anlage automatisch reduziert wird. Damit soll verhindert werden, daß man nach langjähriger Ansparphase – etwa durch einen Börsencrash – Nachteile zum Auszahlungszeitpunkt hinnehmen muss.

Eine sehr interessante Anlageform für die private Altersvorsorge sollte in der aktuellen Niedrigzins-Phase die Immobilie darstellen. Aber aufgepasst: Schon sind in diesem Bereich die ersten unseriösen Anbieter am Markt, die ihren ahnungslosen Kunden sog. „Schrott-Immobilien“ (Objekte mit offenen oder versteckten Mängeln in schlechter Lage werden zu überhöhten Preisen am Markt angeboten) verkaufen wollen.

Wenn man sich dieser langfristig interessanten und nachhaltigen Anlageform zuwendet, sollte man zunächst entscheiden, ob man die jeweilige Immobilie selbst im Alter nutzen möchte oder sie lediglich als dauerhaft fremdgenutzte Anlage sieht. In jedem Fall ist immer entscheidend, in welcher LAGE sich das Objekt befindet und zu welchem Kaufpreis man – trotz attraktivem Zins-Niveau bei einer Finanzierung – als Erwerber einsteigen kann. In manchen Teilmärkten – insbesondere in Metropolen wie München oder Frankfurt/Main – sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren bereits sprunghaft angestiegen, sodass man in diesen Märkten die jeweils angebotenen Kaufpreise sorgfältig unter die Lupe nehmen muss.

Demnach ist auf jeden Fall – neben eigenen Recherchen z.B. zu aktuellen Marktpreisen einer bestimmten Region – ein Fachmann aus dem Immobilienumfeld bei der Anlageentscheidung hinzuzuziehen, der möglichst nicht zusätzlich von einer erforderlichen Finanzierung profitiert. Bei größeren Investitionen (z.B. einem Ein- oder Mehrfamilienhaus) sollte man insbesondere ein objektives Drittgutachten eines Spezialisten – zur Bausubstanz und zur Ermittlung eines objektiven Objektwertes sowie den langfristigen Preisentwicklungsperspektiven – einholen. Die in Frage kommende Immobilie, die Infrastruktur (auch: Bewohnerstruktur) sowie das bauliche Umfeld sollte in jedem Fall auch persönlich in Augenschein genommen werden, um nachhaltige finanzielle Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Abschließend muss man klar darauf hinweisen, daß die jeweilige Art der gewählten privaten Altersversorgung natürlich in hohem Masse von der eigenen aktuellen finanziellen Leistungsfähigkeit abhängt. Wünschenswert wäre natürlich aus reiner Risikostreuung eine Kombination z.B. aus Investmentfonds-Anlage und Immobilie. Hierbei müssten allerdings realistischerweise mindestens 200 – 300 Euro monatlich für die private Altersvorsorge zur Verfügung stehen. Bei vielen Menschen mit mittlerem oder geringem Einkommen wird somit wohl nur eine Anlageform mit z.B. monatlich 100 Euro möglich sein, für manche stellen bereits 50 Euro monatlich eine echte Herausforderung dar.

Wichtig ist in jedem Fall, sich der dringenden Notwendigkeit bewusst zu werden, selbst Initiative zu zeigen und für das Alter vorzusorgen – andernfalls droht bei ausschließlichem Bezug der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in Deutschland die Altersarmut. Und das wenige Geld, das zur privaten Altersvorsorge aufgebracht werden kann, sollte nicht in teuren und unrentablen Produkten wie der Kapital-Lebens- oder Rentenversicherung zum überwiegenden  Wohle der Versicherungsunternehmen verschwinden.

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Nettoverzinsung bei Kapitalanlagen in Lebensversicherungen (1980-2012)http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/versicherungsunternehmen-bafin-erklaert-lebensversicherung-zum-auslaufmodell-seite-all/10070554-all.html


Nettoverzinsung bei Kapitalanlagen in Lebensversicherungen (1980-2012)

Die private Altersversorgung der Deutschen steht vor einem Paradigmenwechsel: In den vergangenen Jahren nahm die Attraktivität der von den Deutschen immer noch für die private Altersversorgung bevorzugten Kapitalanlage „Lebensversicherung“ kontinuierlich ab. Dabei nutzen noch immer ca. 60% der deutschen Privatanleger das Produkt „Lebensversicherung“ zur Vermögensanlage bzw. Altersvorsorge.

Die Nettoverzinsung in den vergangenen Jahren lag in dieser Anlagekategorie gerade noch bei knapp über 4% und profitierte dabei aus den noch relativ hochverzinslichen internationalen Langfristanlagen in den Portfolios der Gesellschaften aus den vergangenen Jahren (Quelle: Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Berlin).

Die Niedrigzinspolitik der weltweiten Zentralbanken aus der jüngeren Vergangenheit wird sich voraussichtlich ab 2015 massiv in dramatisch sinkenden Nettoverzinsungen bei Kapital-Lebensversicherungen widerspiegeln. Dies gilt natürlich auch für den Produktbereich der Privaten Rentenversicherungen. Dann kann erwartet werden, daß die Gesellschaften wohl nur noch Nettoverzinsungen von maximal 3% erwirtschaften können und das bei Eingehen erheblich höherer Anlagerisiken. Dagegen stehen Renditeversprechen der Gesellschaften bei abgeschlossenen Verträgen – insbesondere aus Mitte der 1980er Jahre sowie um 2000 – in Höhe von 6% oder 7% (neben der garantierten Verzinsung wurde in Verlaufsrechnungen eine großzügige „Überschussbeteiligung“ eingerechnet). Die prognostizierten Ablaufleistungen (Auszahlungssummen im Erlebensfall) bei diesen Langfristverträgen reduzieren sich somit im Vergleich zur Angebotslegung oft um mehrere zehntausend Euro.

Noch ist der aktuelle Vertragsbestand sowie das gesamte Versicherungsvolumen in Lebens- und Rentenversicherungen stagnierend auf ermäßigtem Niveau, allerdings steigen bereits die Stornoquoten, d.h. die Anzahl der Vertragsauflösungen im Verhältnis zu den bestehenden Verträgen, bei den Gesellschaften spürbar an. Den ersten Anlegern wird die Problematik ihrer als stabil und rentabel unterstellten Altersvorsorge klar, sie lösen die Verträge trotz dabei entstehendem Kapitalverlust auf und suchen sich (kurzfristige) Alternativanlagen. Ebenso boomt derzeit der Zweitmarkt für Kapital-Lebensversicherungen, über den Verträge an Dritte verkauft werden, ohne eine Vertragsauflösung vornehmen zu müssen.

Sobald den privaten Anlagekunden noch intensiver und vor allem in der Breite bewußt werden wird, daß sie künftig teilweise mit negativen Real-Renditen bei ihren Kapitalanlagen der als sicher eingeschätzten privaten Altersversorgung rechnen müssen und damit das Vermögen für die Altersvorsorge drastisch schwindet, wird das Neugeschäft der Versicherungsgesellschaften signifikant einbrechen und die Stornoquoten werden gleichzeitig dramatisch ansteigen.

In den vergangenen Jahren ist bereits eine starke Zurückhaltung der Anleger bei der sog. „Riester-Rente“ zu beobachten. Diese staatlich massiv geförderte Anlageform (Aufbau einer weiteren Säule der privaten Altersvorsorge neben der gesetzlichen sowie betrieblichen Rente) wird derzeit kaum mehr von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen genutzt, die Zahl der abgeschlossenen Verträge bleibt mit ca. 11 Mio. weiterhin deutlich unter den Erwartungen des Fördergebers sowie der Gesellschaften. Sehr intransparente Vertragskonstruktionen, komplizierte und damit schwer verständliche Förderberechnungen, ein hoher administrativer Aufwand sowie nicht zuletzt die zunehmend negative Berichterstattung über unverhältnismäßig hohe (interne) Kosten der Verträge schrecken Anleger vor Neuengagements trotz attraktiver staatlicher Fördersätze ab. Noch ist es für eine abschließende Bewertung zu früh, es zeichnet sich aber ab, daß die staatliche Förderung weniger bei den Privatanlegern als vielmehr bei den Versicherungsgesellschaften über die Berechnung entsprechender Kosten ankommt.

Sofern es den Versicherungsgesellschaften nicht kurzfristig gelingen sollte, attraktive Anlagealternativen zu erschließen bzw. Produktinnovationen rund um das Lebens- und Rentenversicherungsgeschäft zu entwickeln, prognostizieren Experten bereits den „Tod“ der Lebensversicherung. Die Finanzaufsichtsbehörde BaFin erklärt die traditionellen Lebensversicherung bereits zum „Auslaufmodell“ (http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/versicherungsunternehmen-bafin-erklaert-lebensversicherung-zum-auslaufmodell-seite-all/10070554-all.html). Sollten sich diese Prognosen bewahrheiten, wird es im Ergebnis zu massiven Ertragseinbußen bei den Gesellschaften und in der Folge zu einschneidenden Kosten- und Personaleinsparungsmaßnahmen kommen müssen.

Und die spannende Frage wird dann vor allem auch sein: Welche Produkte verkaufen die über 250.000 freien (selbständigen) Versicherungsvertreter, Finanzvertriebe, Makler und Ausschließlichkeitsagenten eigentlich künftig ihren Kunden?

Und wieviele der Agenturen und Handelsvertretungen – insbesondere heikel bei sog. „Finanz-Strukturvertrieben“ – werden mittel – und langfristig bei dramatisch sinkenden Provisionserlösen bei einem ihrer Top-Produktbereiche überleben?

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