Schlagwort-Archive: EZB-Niedrigzinspolitik


Die Niedrigzins-Politik der Notenbanken treibt selbst die als sehr konservativ und zurückhaltend geltende Münchener Rück um.

„Die Waffen der Geldpolitik verlieren an Wirkung – außer man rüstet exponentiell auf“, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. „Aber die Nebenwirkungen werden immer greifbarer. Die Liquidität in den Märkten ist atemberaubend.“ Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen etwa seien „fast schon ungesund“ niedrig, warnte von Bomhard.

Es komme der Punkt, an dem die Geldpolitik schlimmere Nebenwirkungen bekomme, „als sie an Hauptwirkung überhaupt noch erzielen können“.

Den vollständigen Bericht kann man unter http://www.n-tv.de/wirtschaft/Muenchener-Rueck-warnt-vor-neuer-Finanzkrise-article13299871.html nachlesen.

Aktuell warnt selbst die überaus konservative Münchener Rück vor den Gefahren einer Finanzkrise

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Neues Gesetz macht Lebensversicherungen für die Altersvorsorge privater Kunden völlig uninteressant


Am 30.06.2014 hatte ich in einem Blog-Beitrag (https://matzkeblog.wordpress.com/2014/06/30/nettoverzinsung-bei-kapitalanlagen-in-lebensversicherungen-1980-2012/) erst auf die massiven negativen Auswirkungen der EZB-Niedrigzinspolitik auf die Lebensversicherungen und damit auf die private Altersvorsorge der Deutschen hingewiesen – bereits am 04.07.2014 legte die Bundesregierung im Eilverfahren ein neues Gesetz zur „Reformierung“ der Lebensversicherungen (Lebensversicherungsreformgesetz – LVRG) vor. Da hatte man es aber jetzt sehr eilig, denn die Gesetzesvorlage wurde erst am 24.05.2014 erstmalig vorgelegt und bereits am 04.06.2014 vom Kabinett bewilligt.

Hat die Regierung die aufziehenden Probleme um diesen elementaren Bereich des Vermögens der Bevölkerung als dringlich erkannt und will dieses Problem im Sinne der privaten Anleger schnell beheben? Immerhin verwaltet die deutsche Versicherungswirtschaft nach Angaben des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein Kapitalvolumen i.H.v ca. 1,35 Billionen Euro.

Mitnichten! Das neue Gesetz entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als großer und schneller Erfolg einer intensiven Lobby-Arbeit der Versicherungswirtschaft. Der aktuelle finanzielle Druck bei den Versicherungsgesellschaften ist enorm, da sie den Kunden in der Vergangenheit hohe – utopische – Zinsversprechen abgegeben haben, die Sie nun nicht einhalten können.

Auch der Zeitpunkt der Gesetzesinitiative macht misstrauisch: Just am Tag des erfolgreichen Viertelfinalspiels der deutschen Fußballmannschaft in Brasilien gegen Frankreich kann man sicher sein, dass sich die Aufmerksamkeit der Bevölkerung mehr auf sportliche und weniger politische Themen fokussiert.

Aber der Reihe nach. Vor mehreren Wochen prognostizierte die renommierte Rating-Agentur Moody’s massive Probleme bei den deutschen Versicherungsgesellschaften. Die Niedrigzinspolitik der EZB löse vor dem Hintergrund der bestehenden Verträge bei nahezu allen Gesellschaften langfristige Verluste aus. Der Grund: Die Lebensversicherungsgesellschaften hatten in der Vergangenheit – insbesondere nach dem Wegfall des sog. „Steuerprivilegs“ der Lebensversicherungsverträge (Zinserträge waren bei Verträgen mit einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren steuerfrei) in 2004 – mit hohen „Renditen“ geworben, um das Produkt bei Anlegern, die nach einer interessanten Möglichkeit für die private Altersvorsorge gesucht hatten, zu verkaufen. Musterrechnungen der Gesellschaften wiesen in dieser Zeit in der Regel 6% oder mehr als durchschnittlich erzielbare Langfristverzinsung für die Ansparguthaben auf Lebensversicherungsverträge für die gesamte Vertragslaufzeit aus. Für den Kunden somit eine sichere und überaus rentable langfristige Anlage? Eine solide Möglichkeit für die dringend erforderliche private Altersvorsorge? Wie sich aktuell am Markt allerdings herausstellt: Reines Wunschdenken!

Bis heute konnten die Versicherungsgesellschaften mit diesen lukrativen Versprechungen ca. 88 Mio. Lebensversicherungsverträge in ihren Bestand holen. Ein sehr gutes und einträgliches Geschäft, vor allem für eine große Schar von (provisionsabhängigen) Versicherungsvermittlern und die jeweiligen Versicherungsgesellschaften. Immer problematischer wurde allerdings die tatsächliche Zinsentwicklung im Gegensatz zu den von den Versicherungsvertretern prognostizierten Renditen. Im Jahr 2000 existierte noch ein (den Kunden in jedem Fall zu leistender) sog. „Gesetzlicher Garantiezins“ von 4%, aktuell ist dieser Satz auf 1,75% zusammen geschmolzen und wird zum 01.01.2015 erneut auf gerade noch 1,25% reduziert. Erste Gesellschaften bieten bereits Lebensversicherungsverträge OHNE Garantieverzinsung an, die den Kunden lediglich noch den Kapitalerhalt (eingezahlte Beiträge abzüglich Vertragskosten) garantieren. Realer Vermögensverlust ist somit also schon bei Vertragsabschluss vorprogrammiert!

Die deutschen Versicherungsgesellschaften reagierten intern überaus zögerlich und viel zu spät auf die tatsächliche und auch durchaus absehbare Zinsentwicklung an den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren. In der Vermarktung werden allerdings weiterhin unrealistische Renditeberechnungen angeboten. So weisen Vertreter einer führenden Lebensversicherungsgesellschaft aktuell immer noch 4,2% angeblich langfristig erzielbare „Überschußbeteiligung“ in Ihren Angeboten aus. Der Trick dabei: Die Überschußbeteiligung setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und den von den jeweiligen Gesellschaften durch intelligente Anlagepolitik bei der Anlage der Kundengelder erwirtschafteten Überschüssen (z.B.: realisierte Kursgewinne bei Aktienanlagen). Die tatsächlichen Überschußbeteiligungen aller Gesellschaften liegen derzeit allerdings nur bei 3,6% und damit deutlich unter den vollmundigen Versprechungen. Außerdem wird den Kunden verschwiegen, daß nur ca. 90% der eingezahlten Gelder überhaupt verzinst werden; der Restbetrag von 10% wird von den Vertriebsprovisionen sowie den internen Kosten der Gesellschaften verschlungen. Bis der Kunde diese Realitäten allerdings feststellen kann, hat er bereits jahrelang in einen unrentablen Vertrag eingezahlt.

Das neue Gesetz soll also nunmehr „Sicherheit“ in den Markt für Lebensversicherungen für die privaten Anleger bringen? Danach sieht es leider ganz und gar nicht aus. Nachteilig für die Kunden ist insbesondere, dass sie künftig überhaupt nicht mehr an den sog. „Bewertungsreserven“ der Versicherer beteiligt werden. Diese von den Gesellschaften ausgewiesenen Buchgewinne (z.B. bei Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere) wurden bisher zu 50% den Kunden zugerechnet. Auf Basis des aktuellen Gesetzes verbleiben diese Reserven nunmehr vollständig bei den Versicherungsgesellschaften, die sich somit auf Kosten der Kunden langfristig sanieren können.

Bei den Privatanlegern kann sich diese neue Regelung erheblich negativ auswirken, Einbußen von bis zu 10% der Auszahlungssumme (sog. „Ablaufleistungen“) können eintreten. Als Ausgleich sollen die Kunden verstärkt an den „Risikoüberschüssen“ künftig mit 90% beteiligt werden (bislang: 75%). Diese Überschüsse entstehen aber nur dann, wenn die jeweilige Gesellschaft eine extrem vorsichtige Kalkulation des langfristigen Sterblichkeitsverlaufes ihrer Versicherten vorgenommen hat, also weniger Todesfall-Leistungen auszahlen muss als geplant. Dieser positive Effekt wird sich allerdings nur marginal und nur für wenige Anleger bei wenigen Gesellschaften positiv auswirken.

Leider hat die Bundesregierung mit dem neuen Gesetz versäumt, mehr erforderliche Transparenz für den Privatkunden umzusetzen. Bei Abschluss einer Lebensversicherung kann der Kunde noch immer nicht exakt erkennen, welche Provisionen an den Vermittler gezahlt und welche internen Kosten bei der Gesellschaft im Detail kalkuliert werden. Viele Gesellschaften weisen den Kunden nur die insgesamt für den Vertrag entstehenden „Effektivkosten“ über die gesamte Laufzeit aus. Wann und in welcher Höhe Kosten genau anfallen und wie sich diese Kosten auf die eigene Vermögensanlage auswirken, kann der Kunde noch immer nicht erkennen. Dies ist insbesondere in den ersten Jahren der Vertragslaufzeiten interessant, denn im Fall einer Vertragsauflösung  erzielen Anleger oft erst nach 2 oder 3 Jahren Laufzeit trotz regelmäßiger Einzahlungen überhaupt ein Rückzahlungsguthaben. Für die Rendite von Lebensversicherungen kann eine ungünstige Kostenstruktur – je nach Struktur des Anbietertarifes –  im schlimmsten Fall bedeuten, dass sie langfristig gerade noch bei ca. 0,5% und damit deutlich unterhalb der aktuellen Inflationsrate liegen kann.

Als Fazit muss man festhalten, dass das zentrale Ziel des neuen Gesetzes zu den Lebensversicherungen eindeutig die langfristige Überlebenssicherung der Versicherungsgesellschaften und NICHT der Schutz der Privatvermögen der Anleger ist. Nach der bereits erfolgten „Bankenrettung“ auf Kosten der Steuerzahler soll nunmehr wohl der „systemrelevante“ Sektor der Versicherungswirtschaft auf Kosten der privaten Sparer gerettet werden.

Was kann man jetzt konkret tun? Dies hängt in erster Linie davon ab, wie lange bereits ein Vertrag angespart wurde und wann eine Auszahlung der Versicherungssumme ansteht. Bei Neuverträgen oder Verträgen in den ersten Jahren ist der entstandene Schaden ärgerlich, aber finanziell i.d.R. verkraftbar. Diese Verträge sollten stillgelegt (Beitragsbefreiung) oder bei wenig Beitragsleistungen schlicht aufgelöst werden. Werden diese Verträge weiterhin bespart, kann der Anleger nur auf künftige Hochzinsphasen bei gleichzeitig stabilen Inflationsraten setzen.

Schwierig wird es in Fällen, in denen bereits seit vielen Jahren oder Jahrzehnten Beiträge angespart wurden, bei Verträgen, die in Kürze zur Auszahlung anstehen oder auch bei sog. „Policendarlehen“ (Voll- oder Teilfinanzierung einer Immobilie mit vereinbarter Ablösung des Darlehens durch eine Lebensversicherungssumme). Gerade im letztgenannten Fall kann es zu einer massiven Unterdeckung zwischen prognostizierter und tatsächlicher Auszahlungssumme kommen. Als Folge kann das Darlehen für die Eigentumswohnung oder das Haus nicht wie geplant vollständig abgelöst werden und es können immense Restdarlehensbeträge verbleiben, für die der Kunde gegenüber der finanzierenden Bank oder Versicherungsgesellschaft gerade stehen muss. Im schlimmsten Fall kann das Restdarlehen nicht wirtschaftlich geleistet werden oder der Finanzierungsgeber stimmt einer erforderlichen Anschlussfinanzierung nicht zu – dann könnte es im Extremfall sogar zur Zwangsversteigerung der als Altersvorsorge geplanten Immobilie kommen.

In jedem Fall sollte man jetzt schnell mit der eigenen Versicherungsgesellschaft Kontakt aufnehmen, um den aktuellen Finanzstatus des eigenen Vertrages (aktuelles Guthaben inkl. Zinsen und Überschußbeteiligung, Höhe des Rückkaufwertes, aktuelle und künftig realistisch erwartete Verzinsung der Gesellschaft, interne Kosten etc.) zu klären. Sodann ist dringend angeraten, sich mit diesen Informationen eine wirklich unabhängige Beratung hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise und möglichen Handlungsalternativen einzuholen – kostenlos etwa bei Spezialisten der regionalen Verbraucherzentrale.

Für Privatkunden, die aktuell (erstmalig oder mit einem Folgevertrag) vor einer neu zu treffenden Entscheidung hinsichtlich der Gestaltung ihrer privaten Altersvorsorge stehen und künftig einer Real-Enteignung ihres Vermögens entgehen wollen, heißt dies, alternative Anlageformen für die Vermögensanlage – z.B. ETF-, Zertifikate- oder Investmentfonds-Ansparpläne mit ausgewogenem Chance-Risiko-Verhältnis bzw. ein risikoloses Ansparprodukt bei einer Bank – zu erschließen.

Das klassische Produkt „Lebensversicherung“ – und das gilt übrigens gleichermassen für die in den letzten Jahren verstärkt abgeschlossenen „Privaten Rentenversicherungen“ – ist in jedem Fall für Privatanleger im Zusammenhang mit einer erforderlichen soliden und sicheren privaten Altersvorsorge künftig völlig uninteressant.

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