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„Kleinanlegerschutzgesetz“ – Der bürokratische Todesstoß für innovative Wagniskapital-Finanzierung


Eigentlich hatte sich die sog. „GroKo“ aus CDU/CSU und SPD vorgenommen, das Segment „Wagniskapital“ in Deutschland endlich politisch zu beleben und mit entsprechend attraktiven Rahmenbedingungen nachhaltig zu fördern. So zumindest stand dies im „Koalitionsvertrag“, den die großen Parteien nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr in zähen und medienwirksamen Verhandlungen ausgearbeitet und verabschiedet hatten. Man war sich einig: In Deutschland müsse ein „Gründerboom“ wie Ende der 1990er Jahre ausgelöst werden, Ideen und Innovationen müssten schnell und einfach über unterschiedliche Wagniskapitalgeber finanziert werden können. Privaten Anlegern und Investoren sollten deutliche Anreize gesetzt werden, Innovation und Wachstum bei Existenzgründern und Unternehmen durch eigenes Kapital zu unterstützen.

Das tut auch dringend Not. Ist doch Innovation und Erfindergeist eine klassische deutsche Unternehmertugend – und zudem Bildung unser alleiniger wirtschaftlicher Rohstoff. Insbesondere gilt es, die massiv rückläufigen Zahlen von Unternehmensgründungen in den vergangenen Jahren einzudämmen. Trotz relativ moderater Insolvenzraten geht der Saldo der in Deutschland am Markt aktiv tätigen mittelständischen Unternehmen seit Jahren rapide zurück. Immer weniger junge Menschen wollen in unsicheren Zeiten das unternehmerische Risiko einer Unternehmensgründung eingehen, finden doch entsprechend Qualifizierte schnell eine interessante Anstellung bei einem (internationalen) Großunternehmen. Immer mehr Unternehmer haben gleichzeitig Probleme, geeignete Nachfolger zur Fortführung des eigenen Unternehmens zu gewinnen – gerade im Mittelstand.

Ändert sich an den aktuellen Rahmenbedingungen – vor allem hinsichtlich der Liquiditäts- und Kapitalversorgung – nichts, droht im Ergebnis nichts Geringeres als der Niedergang des deutschen Mittelstandes! Mit in der Folge verheerenden Auswirkungen auf den allgemeinen Wohlstand unserer Bürger und insbesondere den deutschen Arbeitsmarkt.

Von den traditionellen Finanzakteuren, den Geschäftsbanken – eigentlich per Definition für die funktionierende Liquiditäts- und Kapitalversorgung der mittelständischen Wirtschaft verantwortlich – kann die Politik dabei nicht auf Unterstützung hoffen. Die aus der Finanz- und Bankenkrise seit 2008 mit einem blauen Auge davon gekommenen (oder staatlich geretteten) Institute lecken noch immer ihre Wunden, halten teilweise noch immer reichlich eigene Risiken in den Büchern vor und richten sich mit BASEL III auf weiter erhöhte Anforderungen an die Eigenkapital-Quoten ein. Eine verheerende Gemengelage: Trotz nahezu ungebremster Liquiditätsschwemme in Form des billigen EZB-Geldes keine Spur einer Weitergabe dieser Vorteile an die Unternehmen in Form von Kreditfazilitäten!

Die mittelständische Kundschaft wird dagegen von den Banken durch immer wieder neue und selbst für Banker mittlerweile undurchsichtig gewordene (weitestgehend automatisierte) Scoring- und Rating-Modelle malträtiert – Unternehmen, die keine Kredite benötigen, werden mit großzügigen Kreditangeboten zu Sonderzinssätzen überschüttet, Mittelständler mit akutem Finanzierungsbedarf für Wachstum und Innovation können – wenn überhaupt – Kredite nur mit überaus großer Mühe, stabiler Sicherheitenstellung und zu relativ hohen Zinsen in Anspruch („Risikoprämie“) in Anspruch nehmen. Bonität natürlich immer vorausgesetzt. Die mangelhafte Kreditversorgung der mittelständischen Wirtschaft ist mittlerweile derart dramatisch und offenkundig, dass sich Anfang 2014 sogar der Chef-Volkswirt der staatlichen KfW Bankengruppe in Berlin besorgt über die prekären Zustände an den Kreditmärkten in Deutschland äußerte. Bei den Geschäftsbanken stieß er dabei allerdings auf taube Ohren. Nach deren Wahrnehmung gäbe es keine „Kreditklemme“, die durch die Banken verursacht sei, vielmehr würden sich die Unternehmen bewusst mit Investitionen zurückhalten, weil die Zukunftsaussichten im internationalen Geschäft so unsicher seien. So liest es der erstaunte Marktbeobachter etwa in offiziellen Berichten des Sparkassen- und Giroverbandes sowie der Verbandsorganisation der Volks- und Raiffeisenbanken.

Alternative Wagniskapital-Finanzierungen sind also dringend erforderlich! Meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Existenzgründern und mittelständischen Unternehmen zeigen mir seit vielen Monaten, dass die Argumentationen der Banken nur auf eine in der Branche breit angelegte Wahrnehmungsstörung zurückgeführt werden können. Die Nachfrage nach Finanzmitteln und Liquidität für Gründungs-, Innovations- und Expansionsvorhaben bei mittelständischen Unternehmen (Startups und Wachstumsunternehmen) ist weiterhin ausgesprochen hoch, alleine die Finanzierungsbereitschaft der Banken und die mit einer Finanzierung verbundene Bereitschaft zur Übernahme von Risiken ist aktuell kaum noch vorhanden. Aber nennt man dies nicht „Kreditgeschäft“?

Nun konnten sich in den vergangenen Jahren einige findige Unternehmer in einer Nische des Wagniskapital-Marktes erfolgreich platzieren: Seit 2011 existieren in Deutschland die ersten „Crowdfinancing“-Angebote, bei denen Anleger bzw. Investoren interessante Projekt-Ideen via Internet unterstützen (sog. „Crowdfunding“) oder sich an Startup- bzw. Wachstumsunternehmen in unterschiedlichster Form beteiligen können (sog. „Crowdinvesting“). Mit kleinen Volumina gestartet und von den etablieren Finanzakteuren müde belächelt, erlebt die Branche seit 2013 einen wahren Boom. Und der Wachstumstrend ist intakt. Während die „traditionelle Wagniskapital-Industrie“ in Finanzmitteln schwimmt (versorgt durch Banken, aus Steuermitteln oder EU-Geldern), diese Gelder jedoch aus unerklärlichen Gründen nicht an die relevante Zielgruppe bringen kann oder diese durch bürokratische Prozesse per se abschreckt, sprechen die innovativen Angebote der Crowdfinancing-Anbieter Anleger und Unternehmer gleichermaßen an. Die erfahrenen privaten Wagniskapital-Anleger erhalten bei diesen Anbietern die Möglichkeit, auch mit kleinen Beträgen in Projekt-Ideen und Unternehmen schnell, einfach und bequem via Internet zu finanzieren. Somit lässt sich ein kleines Venture-Portfolio mit interessanten Rendite-Chancen und überschaubaren (wirtschaftlichen) Risiken aufbauen. Unternehmen stellen ihre Finanzierungswünsche und Ideen am Markt vor, erhalten unmittelbare Investoren-Feedbacks und sind nach 30 – 90 Tagen in der Lage, über die gesuchten Finanzmittel zu verfügen. Im Gegenzug erhalten die Anleger eine Unternehmensbeteiligung bzw. werden am künftigen Wertzuwachs des Unternehmens beteiligt.

Eine dynamisch zunehmende Zielgruppe – oft mit überdurchschnittlichem Bildungsstand, in jedem Fall aber extrem online-affin – nimmt immer mehr die Entscheidung für einen Teil der eigenen Geldanlage selbst in die Hand. Und hat Spaß dabei! Der bisher anstrengende und dröge Geldanlageprozess wird plötzlich spannend, in der Community genießt man das gemeinsame Erfolgsgefühl einer gelungenen Finanzierung. Und man muss sich auch am Bankschalter – oft nur mit Termin – nicht mit mehr oder weniger kompetenten Beratern auseinandersetzen, die ohnehin mehr das Interesse des Arbeitgebers als das des Kunden im Auge zu haben scheinen. Diese „Demokratisierung“ der Finanzmittel-Allokation privater Anleger kann den klassischen Finanzakteuren nicht gefallen. Wo kämen wir hin, wenn man die Banken für die Entscheidungen rund ums eigene Geld der Privatkunden gar nicht mehr benötigt? Und wenn dies vor allem immer mehr Privatanleger tun?

Und in dieses innovative Wachstumssegment „platzt“ nunmehr ein Referentenentwurf zum „Kleinanlegerschutzgesetz“ (aktueller Bearbeitungsstand der Gesetzesvorlage unter http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Gesetze/2014-07-28-kleinanlegerschutzgesetz.pdf?__blob=publicationFile&v=5), der nicht nur mangelhaftes Fingerspitzengefühl in Sachen „Wagniskapital“ zeigt, sondern der sich offensichtlich auch durch geringe Branchen- und Fachkompetenz auszeichnet. Wie ist es anders zu erklären, dass reine Online-Angebote plötzlich reguliert und beaufsichtigt werden sollen, als wären sie große traditionell arbeitende Kapitalsammelstellen oder Hedge-Fonds? Wie kann man es als Branchenkenner nicht wahrnehmen, dass ein völlig unnötiger Medienbruch – die Einführung eines „Vermögensanlagen-Informationsblattes“, kurz „VIB“, und der Zwang zum POSTALISCHEN Versand sowie der Original-Unterschriftseinholung des Anlegers – alle effizienten Online-Prozesse der Internet-Portale zunichte macht und enorme administrative Zusatzkosten auslöst? Wer kommt eigentlich auf die absurde Idee, umfangreiche und teure „Prospektpflichten“ unter bestimmten Voraussetzungen zu fordern, die einen Großteil der von den Unternehmen erwarteten Finanzierungsbeträge bereits im Vorfeld verschlingen? Und wer – wenn nicht die Banken-Lobby – hat sich nur ausgedacht, dass Internet-Portale per Dekret plötzlich zu klassischen Finanzdienstleistern (mit entsprechenden Lizenzen und Gewerbezulassungen) oder gar Vollbanken nach Kreditwesengesetz (KWG) mutieren sollen?

Der Kleinanlegerschutz ist grundsätzlich richtig und wichtig. Ich finde es auch widerwärtig, wenn etwa gutgläubige Senioren in hohem Alter von windigen Finanzvertretern dazu genötigt werden, ihre Spareinlagen in dubiose, langfristige Vertragskonstruktionen zu investieren, die selbst der „Berater“ nicht versteht und bei denen manchmal fraglich ist, ob der Anleger die Auszahlung seines Vermögens noch erlebt. Oder wenn Anleger eine sichere Anlage für Ihr Vermögen suchen und dann von Bankern oder Finanzberatern in Risikoanlagen gelockt werden.

Aber dieses Problem haben wir beim Thema Wagniskapital über Crowdfinancing-Plattformen nicht! Hier investieren erfahrene Anleger völlig eigenständig, ohne jedwede Beratung. Sie werden im Vorfeld ausdrücklich und mehrfach auf potentielle Risiken hingewiesen und gehen diese bewusst ein. Sie investieren nur Bruchteile ihres Vermögens und bestätigen gegenüber den Anbietern ihre wirtschaftliche Solidität. Und Informationen, Business-Pläne, Planzahlenrechnungen etc. – also Informationen zur jeweiligen Investitionsmöglichkeit – erhalten die Wagniskapital-Anleger im Internet von den Anbietern bereits heute.

Der mangelhafte Referentenentwurf zum „Kleinanlegerschutzgesetz“ muss dringend nachgebessert werden – andernfalls riskiert die Bundesregierung den Tod der innovativen Wagniskapital-Branche und damit einen aktuellen und vor allem künftigen Schaden für die deutsche Volkswirtschaft! Aber: Vielleicht will sie das ja?

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Die Konzentration und Marktbereinigung im deutschen Bankensektor nimmt an Intensität weiter zu – mit welchen Konsequenzen? Teil 1: Kreditbanken (inklusive Privatbanken)


Nun ist die Finanz- und Wirtschaftskrise schon einige Jahre her und seit den Turbulenzen der Jahre 2008 und 2009 ist wieder so etwas wie Ruhe eingekehrt. Der deutsche Aktienindex DAX knackte in diesem Jahr mehrfach die 10.000 Punkte-Marke, die EZB pumpt weiterhin großzügig und fröhlich Liquidität und damit „Schmiermittel“ in die Märkte, Marktzinsen und Inflationsraten sind historisch niedrig und die deutschen Geschäftsbanken verdienen wieder richtig Geld – also alles wieder in Ordnung im deutschen Bankenmarkt nach langer Durststrecke?

Man muss da schon genauer hinsehen, um die entsprechenden „Megatrends“ bei den deutschen Geschäftsbanken identifizieren und werten zu können. Und man muss ganz klar innerhalb der jeweiligen Institutsgruppen differenzieren. Nur dann ist es möglich, sich einer Prognose zuzuwenden.

Alfred Herrhausen – der vielleicht letzte große Visionär unter den deutschen Bankern und eine absolut faszinierende, charismatische Persönlichkeit – hat bereits in den 80er Jahren davon gesprochen, dass die „Banken die Stahlindustrie der Zukunft“ sein werden. Mit allen harten und schmerzhaften Konsequenzen. Seine Prognosen sind zum Großteil bereits eingetreten: Der schnelle Wandel in den Banken, der ganz wesentlich nach seinem Tod 1989 einsetzte, hat den Bankenmarkt bis heute stark verändert.

Die Börsen-Krise am sog. „Neuen Markt“ in den Jahren 2000 und 2001 verstärkte bereits den Veränderungsdruck bei den Banken durch das in diesen Jahren immer weiter boomende Online-Banking und -Broking. Die Kunden konnten dank Internet und einer ansteigenden Technisierung bei den Instituten eine Bank immer mehr als SB-Filiale – ähnlich wie ein Einzelhandelsgeschäft – nutzen und die Banken stellten für das sog. „Mengengeschäft“ mit dem „normalen“ Privatkunden immer mehr standardisierte (kostensparende) Produkte und immer weniger (qualifizierte) Beratung zur Verfügung. Heute gibt es eine stetig ansteigende Zahl menschenleerer SB-Filialen mit einer Vielzahl von hoch entwickelten Automaten, am Bankschalter begrüßen Sie immer häufiger ehemalige Hotelfachleute oder Einzelhandelsverkäufer, die als angelernte „Banker 2.0“ die Standard-Transaktionen der Kunden am Schalter abwickeln.

Neben den schmalen Produkt- und Dienstleistungs-Regalen für die „Normalbürger“ wurden immer opulentere Angebote für die sog. „vermögenden Privatkunden“ (Kunden ab einem freien Geldvermögen von i.d.R. EUR 100.000 und mehr) platziert. Aufwendige Beratungszentren mit hochwertiger Ausstattung, speziell geschulte Mitarbeiter, eine breite und teilweise sehr komplexe Produktpalette, professioneller und internationaler Wertpapier- und Derivate-Handel und ein besonders persönlicher Service sollten die Erträge im Privatkundengeschäft sprudeln lassen. Das Investmentfonds-Geschäft wurde massiv voran getrieben, konnten doch die für die Banken überaus ertragreichen sog. „Ausgabeaufschläge“ direkt von der Anlagesumme des Kunden am Tag des Erwerbs vereinnahmt werden.

Es wurden Kooperationen bzw. Beteiligungen mit den lange von den Banken im Kampf um Kunden als Feindbild bekämpften Lebensversicherungsgesellschaften eingegangen, manche Institutsgruppen gründeten sogar eigene Tochtergesellschaften für das lukrativ erscheinende Versicherungsgeschäft. Die Versicherungsgesellschaften entdeckten daraufhin selbst die vermeintliche Attraktivität einer Bank und stiegen teilweise ebenfalls in diesen Markt ein (ALLIANZ SE bei der bereits mittlerweile von der COMMERZBANK AG geschluckten DRESDNER BANK AG). Alle Institute besitzen in der Zwischenzeit eigene Tochtergesellschaften für das Investmentfonds-Geschäft. Immer weiter zulegen konnten in den vergangenen Jahrzehnten freie Finanzvermittlern und Finanz-Strukturvertriebe, die ihre Kunden mit teilweise abenteuerlichen Produkten versorgten. Bei allen Finanzdienstleistern boomte zudem das Zertifikate- und ETF-Geschäft.

Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise und in der Folge die Banken- und Staatsschuldenkrise wurden auch die deutschen Institute nach 2008 nahezu komplett auf den Kopf sowie den Prüfstand gestellt. Erkennbare Folgen waren – neben allgemeinem Personalabbau in allen Instituten – insbesondere die drastische Reduzierung des Filialnetzes sowie eine stark zunehmende Fusionswelle (Zusammenlegung mehrerer rechtlich selbständiger Einheiten durch Zusammenschluss).

Wie ist nun aktuell die Situation innerhalb der Geschäftsbanken bzw. einzelnen Institutsgruppen? Und was ist vor allem künftig generell im Bankenmarkt zu erwarten?

Zunächst sollte man sich den Bereich der sog. „Kreditbanken“ ansehen, zu denen neben der DEUTSCHE BANK AG und der COMMERZBANK AG auch insbesondere die sog. „Privatbanken“ gehören.

Während die DEUTSCHE BANK AG die ab 2008 entstandenen Krisen-Turbulenzen zunächst vermeintlich gut ohne staatliche Stützung verkraften konnte, musste die COMMERZBANK AG mit massiver staatlicher Hilfe „gerettet“ werden. Mehrere Kapitalerhöhungen später ist die Staatshilfe nahezu vollständig zurückgezahlt und die COMMERZBANK AG richtet den Blick wieder optimistisch nach vorne. Die unter Bankern jovial als „größte deutsche Sparkasse“ bezeichnete Großbank wird ihr Geschäftsmodell allerdings dringend überarbeiten müssen, um langfristig am Markt erfolgreich bestehen zu können. Dabei könnte in der Tat eine große Chance in den Zielgruppen-Segmenten Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft liegen. Anders als regional orientierte Sparkassen könnte die COMMERZBANK AG bundesweit einheitlich dieses Zielsegment z.B. mit attraktiven Ratenkredit-Angeboten, einer professionellen Baufinanzierungsberatung oder Anlageberatung / (Fonds-) Vermögensverwaltung für sich begeistern.

Bei der DEUTSCHE BANK AG entscheidet mittlerweile eine „Doppelspitze“ über Wohl und Wehe der Bank, die auf der Ergebnisseite immer noch unter hohen Belastungen aus dem Investmentbanking- und Immobiliengeschäft – verbunden mit einer Reihe von realisierten Bußgeld- (z.B. in den USA) und Prozeßrisiken (z.B.: Kirch) – der vergangenen Jahre leidet. Das Privatkundengeschäft hat sich erholt, nicht zuletzt durch den quantitativen Kundenzuwachs, den man über die Beteiligung an der POSTBANK AG generieren konnte. Das Mengengeschäft wurde rechtlich auch in eine „separate Bank“ (Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG) ausgegliedert, ebenso teilt sich der verbleibende „Rest“ der Bank in rechtlich selbstständige Einheiten auf (die AG selbst sowie ein Unternehmen für die HNWI = High Net Worth Individuals, also Personen mit hohem Netto-Vermögen).

Im Gegensatz zur COMMERZBANK AG profitiert die DEUTSCHE BANK AG noch immer von ihrem positiven Marken-Image als seriöse, solide deutsche Großbank, die aber gleichzeitig ein globaler Player im internationalen Bankgeschäft mit höchster Reputation ist. Chancen liegen für dieses Institut insbesondere in den Bereichen der mittleren und großen mittelständischen Unternehmen mit internationaler Ausrichtung sowie bei den damit untrennbar verbundenen Unternehmern bzw. Unternehmer-Familien. Letztgenannte wurden in den vergangenen Jahren mehr als stiefmütterlich von der Bank behandelt, das (Kredit-) Geschäft mit dem Mittelstand nahezu aufgegeben. Ebenso sollten die Kompetenzen im Wertpapier- und Vermögensanlage-Bereich (Asset Management) für Privat- und Firmenkunden sowie Institutionen wieder mehr in den Fokus rücken, um langfristig rentable Geschäftsaktivitäten entwickeln zu können. Ein zentrales Thema könnte dabei etwa die Lösung des Problems der „privaten Altersvorsorge“ sein, das künftig über ein völlig unzureichendes Angebot der Lebensversicherer brach liegt.

Das Segment der Privatbanken hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr bequem in der HNWI-Ecke platziert und sich hinsichtlich verschiedener Überlegungen bezüglich des eigenen Geschäftsmodells geflissentlich zurück gehalten. In der Handvoll noch verbliebener deutscher Privatbanken (z.B. Hauck & Aufhäuser, Merck Finck, Berenberg oder Metzler) überwog in der Unternehmensstrategie zunächst passives Abwarten und Beobachten, musste man doch den Niedergang der einstigen Top-Adresse Sal. Oppenheim, deren „Filetierung“ und schließliche Auflösung sowie den Zustrom internationaler Adressen – vor allem aus der Schweiz – verkraften.

Aktuell drückt das von allen Häusern mehr oder weniger gezahlte Lehrgeld aus dem Investmentbanking-Abenteuer, so dass man nunmehr in erste ernsthafte strategische Überlegungen rund um die zukünftige Ausrichtung einzusteigen scheint. Die Ergebnisse sprechen von dem Ziel, den Kundengruppen „echten Mehrwert“ zu bieten, etwa in der „Anlageberatung und Vermögensverwaltung für Unternehmer aus dem Mittelstand und für freie Vermögensverwalter“ (Stephan Rupprecht, Partner und Mitglied des Führungsteams von Hauck & Aufhäuser in einem aktuellen Handelsblatt-Interview). Na prima. Dumm ist nur, daß sich in diesen Segmenten bereits nahezu alle Institute tummeln! Selbst die eigentlich für eine Top-Beratung von Privat- oder Firmenkunden nachweislich nicht geeigneten Sparkassen und Genossenschaftsbanken buhlen um dieses Klientel. Das drückt auf den Preis, erhöht die Kosten und schmälert die Gewinnmarge. Die deutschen Privatbanken können über ihren künftigen (exklusiven) Marktauftritt allenfalls noch über die Erschließung weiterer globaler Märkte punkten und in den weltweiten Wachstumsregionen (insbesondere in Europa, den USA und Asien) mit einem High End-Angebot für HNWI mit der DEUTSCHE BANK AG und anderen internationalen Bankhäusern konkurrieren. Hierbei wird künftig die Luft allerdings sehr eng!

ENDE TEIL 1

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DIHK fordert ein besseres Gründungsklima für Unternehmen in Deutschland – Politik muss endlich handeln


Jetzt fordert auch der DIHK in Berlin in seiner neuesten Publikation endlich von der Politik akutes Handeln für eine Verbesserung des Existenzgründer-Klimas in Deutschland ein. Über viele Jahre ging die Anzahl der wirtschaftlich produktiven Unternehmen schleichend per Saldo zurück, der Bereich der Unternehmensförderung wurde immer mehr zurückgefahren, Förderungen für Existenzgründer gänzlich gestrichen oder stark reglementiert.

Konzentriert hat sich die Regierung überwiegend auf soziale Wohltaten wie „Mütterrente“ oder zuletzt den „Mindestlohn“. Ansteigende Sozialhaushalte für SGB 2-Leistungen haben zusätzlich die Gestaltungsspielräume stark eingeengt. Somit blieb für die vergleichsweise sehr kleine Gruppe der unternehmerischen Pioniere und Gründer relativ wenig vom „Förderkuchen“ übrig.

Wer aber soll denn die sozialen Wohltaten des Staates langfristig finanzieren wenn nicht viele wirtschaftlich starke (mittelständische) Unternehmen, die in Deutschland Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen?

Wie kann Wachstum und Wohlstand langfristig gewährleistet werden, wenn Deutschland mit dem einzig verfügbaren Rohstoff – hohe Bildung und Qualifizierung von Arbeitnehmern sowie vor allem Innovationskraft und Kreativität entschlossener Unternehmer – so schlecht umgeht?

In dem 10 Punkte-Katalog skizziert der DIHK erforderliche Maßnahmen und Aktivitäten auf Seiten der Politik sehr zutreffend. Nicht umsonst tauchen an oberster Stelle zwei Forderungen im Zusammenhang mit den finanziellen Rahmenbedingungen für Existenzgründer auf. Die in Deutschland zwingend erforderliche und sich allenfalls in den Kinderschuhen befindliche Säule der Unternehmensfinanzierung durch sog. „Wagniskapital“ ist eine zentrale Forderung. Vorhandenes, privates oder institutionelles Anlagekapital muss künftig viel intensiver und selbstverständlich auch in Unternehmensbeteiligungen angelegt werden anstatt in unproduktiven Anlageformen wie Tagesgeld, Geldmarktfonds oder Staatsanleihen.

Entsprechende Förderanreize für Wagniskapital-Geber muss die Politik setzen. Als Vorbild könnte dabei einmal mehr die USA dienen, wo Existenzgründer zunehmend innovative Geschäftsmodelle unter Umgehung von klassischen Finanzakteuren (z.B. Geschäftsbanken) erfolgreich realisieren. An funktionierenden Märkten können Wagniskapital-Geber  transparent agieren, die erzielbaren Renditen dieses Anlagesegmentes liegen langfristig bei deutlich über 20%.

Ebenso ist die Politik gefordert, die seit geraumer Zeit bestehende „Kreditklemme“ (dramatischer Rückgang der Finanzierungen an Unternehmen trotz steigender Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken durch die EZB) aufzulösen. Durch die neuen, rigiden Basel III-Auflagen bei Geschäftsbanken (insbesondere Eigenkapitalanforderungen) wird es für kleine und mittlere (mittelständische) Unternehmen immer schwieriger, erforderliches Kapital für Gründung, Expansion oder Innovation bei Geschäftsbanken zu erhalten.

In der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Konstellation sollte es nicht nur bei reinen Appellen bleiben! Die Politik ist massiv gefordert, sie sollte ihrer Aufgabe zum Wohle der Volkswirtschaft und des Landes endlich nachkommen!

Der DIHK stellt einen Forderungskatalog auf, um das Klima für Existenzgründungen in Deutschland zu verbessern.

Der DIHK stellt einen Forderungskatalog auf, um das Klima für Existenzgründungen in Deutschland zu verbessern.

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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt weiterhin vor großen Risiken bei europäischen Banken


Die Finanz- und Wirtschaftskrise mit einem zeitweilig drohenden Kollaps des weltweiten Wirtschafts-, Finanz-, Börsen- und Bankensystems ist noch keine 6 Jahre her und noch immer befinden sich die europäischen Banken in einer äußerst kritischen Situation. Der Chefökonom der weltweit obersten Zentralbank, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), warnt im aktuellen Jahresbericht (http://www.bis.org/publ/arpdf/ar2014e.htm) davor, daß insbesondere konservative Großanleger neue, erhebliche Finanzmarktturbulenzen auslösen können.

Insbesondere in Europa bleibe die Lage angespannt, so der südkoreanische Ökonomieprofessor Hyun Song Shin, Chefsvolkwirt der BIZ. Obwohl die geringen Währungsschwankungen an den Weltmärkten eine trügerische Ruhe und Stabilität suggerieren, hätten einzelne Investoren bereits erhebliche Risiken aufgebaut. Die teilweise enorme Verschuldung der Bankinstitute stellt aus seiner Sicht ein hohes Risiko dar, der Handlungsbedarf sei groß, um die europäischen Banken widerstandsfähiger und ihre Geschäftsmodelle langfristig tragfähiger zu machen.

Der aktuelle Bericht der BIZ zeigt, daß sich außerhalb der Euro-Zone – vor allem in den USA – die Gewinnsituation der Kreditinstitute und damit ihre Wettbewerbsposition in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. im Euro-Raum hingegen sei die Ertragslage vieler Banken aufgrund der weiterhin schwelenden Staatsschuldenkrise und insgesamt schwieriger Konjunktur aktuell und künftig überaus problematisch. Trotz laufender Bilanzchecks der EZB und Einführung der EU-Bankenunion schlummern in den Bankbilanzen vieler europäischer Institute offensichtlich immens hohe Risiken, insbesondere sind große Kapitalpositionen noch immer in Problemanlagen investiert, die bislang nicht oder nicht vollständig abgeschrieben wurden.

Weltweit stocken die Kreditinstitute durch Einbehaltung erwirtschafteter Gewinne ihre Kapitaldecke auf, Risikopositionen werden reduziert. Die BIZ mahnt hierbei jedoch ausdrücklich mehr Transparenz bei der Berechnung der Risikomodelle an, damit künftig das Vertrauen in die Stabilität der Banken weiter gestärkt werden kann.

Ist die Situation der europäischen Geldhäuser schon ausgesprochen schwierig, sieht die BIZ zusätzlich erhebliche Risiken für die weltweiten Finanzmärkte vor allem durch das verstärkt risikofreudige Agieren der bislang weitestgehend konservativen, institutionellen Anleger wie z.B. Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds oder Vermögensverwalter. Aufgrund der extrem niedrigen Zinsen in der Euro-Zone entsteht bei diesen Marktteilnehmern ein enormer Druck, teilweise garantierte Erträge erwirtschaften zu müssen. In der Folge werden immer riskantere Geld- und Kapitalanlagen in die Portfolios aufgenommen. „Aktuell sieht es zwar gut aus, aber es baut sich möglicherweise ein schmerzhafter und zerstörerischer Umschwung auf“, so der BIZ-Experte.

Wird es neben der bereits laufenden Real-Enteignung von Anlagevermögen (Spareinlagen, Tages- und Termingelder) der privaten Anleger nun künftig auch die Vernichtung der Pensionen sowie der über lange Jahre aufgebauten privaten Altersvorsorge geben?

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Wohin steuert die EU nach der Wahl? – Wie geht es insbesondere mit der Geldpolitik der EZB weiter?


 

Die aktuelle Situation in Europa hat sich nach der Wahl am 25. Mai 2014 entgegen den vor der Wahl publizierten Parolen führender Politiker in Deutschland nicht verbessert – ganz im Gegenteil.

Konnte man als mündiger Bürger eigentlich davon ausgehen, im Europawahlkampf eine demokratische Wahl unter einem entsprechenden Parteien-Angebot zu haben und damit politischen Einfluß auf die Wahl des wichtigen europäischen Amtes des EU-Kommissionspräsidenten ausüben zu können, stellen die deutschen Wähler nach der Wahl überraschend fest, daß die Wahlentscheidungen sich nur sehr bedingt auf die aktuelle Politik in Europa ausgewirkt haben bzw. künftig auswirken werden.

Die – eigentlich vom Wähler vermeintlich mehrheitlich zugunsten des Luxemburgers Jean-Claude Juncker entschiedene – Rolle des EU-Kommissionspräsidenten wurde unmittelbar nach der Wahl durch ein wenig überzeugendes Gerangel unter den europäischen Staatschefs in Frage gestellt. Selbst die konservative Europäische Volkspartei (EVP), die den Kandidaten Juncker ins Wahlrennen gegen Martin Schulz (SPD) geschickt hatte, ließ über die deutsche Regierungschefin Angela Merkel eine gewisse Distanz zu Juncker erkennen.

Wie soll beim deutschen Wähler diese Art von „Demokratieverständnis“ der EU eigentlich ankommen?

Welche Wahl hat der (europäische) Wähler am 25. Mai 2014 eigentlich getroffen, wie wird dieses Votum respektiert und wohin steuert die EU künftig?

Am vergangenen Wochenende meldete sich Alt-Bundespräsident Roman Herzog mit einem „Brandbrief“ an Angela Merkel zu Wort. Im Kern fordert er mehr Demokratie in der EU und kritisierte die aktuelle Führungskrise im EU-Parlament und deren möglicherweise verheerende Wirkung auf die Finanzmärkte. Mögliche Spekulationen gegen der Euro werden künftig aufkommen, sobald die Finanzmärkte Zweifel an der Handlungsfähigkeit von Angela Merkel sowie der Gruppe der EU-Regierungschefs ausmachen sollten.

„Die Europäische Union steckt in einer tiefen Krise“, so Herzog. Die Bürger in den europäischen Staaten nehmen dies viel sensibler wahr als die politischen „Berufseuropäer“. Bürokratieabbau, Regelungswut und im Ergebnis eine Entkoppelung der EU-Institutionen von der Realität der Menschen werden von Herzog  problematisiert. Interessant ist, dass Herzog ganz konkret „neue Abwehrrechte der nationalen Parlamente gegen den Kompetenzexpansionismus der EU-Institutionen“ fordert.

Die aktuelle politische Krise der EU könnte mittelfristig auch durch die EZB-Zinspolitik weiter dramatisch verstärkt werden. Erwartungsgemäß legte die EZB im Rahmen der letzten Sitzung Anfang Juni ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor, um den deflationären Tendenzen im Euro-Raum entgegenzutreten und die Gefahr einer Depression zu bannen. Im Mittelpunkt stand dabei die Reduzierung des Leitzinses im Euro-Raum auf historisch niedrige 0,15%, auf Bankguthaben der europäischen Geschäftsbanken bei der EZB wurde sogar ein negativer „Strafzins“ (-0,15%) beschlossen.

Das aktuelle Gesamtprogramm der EZB umfasst ca. 400 Milliarden Euro und soll die Kreditvergabe in Südeuropa ankurbeln. Aufgrund der gemeinsamen Euro-Währung werden sich die Maßnahmen allerdings auch auf die Länder Nordeuropas und vor allem auf Deutschland auswirken.

Welche Folgen der EZB-Zinspolitik werden sich in Deutschland zeigen?

Die deutschen Geschäftsbanken, die mit derzeit ca. 113 Mrd. Euro mit Abstand die höchsten Guthaben bei der EZB unterhalten, werden aufgrund der „Strafzinsen“ mittelfristig stark belastet, zumal nicht absehbar ist, daß die deutschen Banken ihre seit Jahren rigide Kreditvergabe-Politik (sog. „Kreditklemme“) gegenüber Privaten und insbesondere mittelständischen Unternehmen ändern werden. In der Folge treten im Inland voraussichtlich keinerlei positive konjunkturelle Impulse aufgrund einer steigenden Kreditvergabe an Unternehmen für Innovation und Wachstum auf. Die Probleme und Belastungen der mittelständischen Wirtschaft werden somit weiter zunehmen. Der Bundesverband deutscher Banken in Person des Hauptgeschäftsführers Michael Kemmer signalisiert auch bereits, dass die EZB-Zinspolitik „kaum zur gewünschten Belebung der Kreditvergabe und des Interbankenmarktes“ führen wird, da „eher überschuldete Unternehmen und hohe Kreditrisiken in den Peripherieländern eine Ausweitung der Kreditvergabe verhindern“.

Man kann insbesondere erwarten, daß die deutschen Geschäftsbanken die entstehenden zusätzlichen Kapitalkosten auf die (privaten und mittelständischen) Kunden umwälzen. Für diese kommen demnach – neben den negativen Realverzinsungen bei Spar- und Termineinlagen und einer mangelhaften Kreditversorgung – weitere Belastungen zu.

Insbesondere die langfristig negativen Auswirkungen der EZB-Zinspolitik für die private Altersversorgung der deutschen Bevölkerung werden derzeit nahezu vollständig ausgeblendet. Den über lange Jahre angesparte Vermögen auf privaten Kapital-Lebens- und Rentenversicherungen droht in den kommenden Jahren ein massiver Real-Verlust. Die Zins- und Rendite-Erwartungen bei Abschluss der jeweiligen Verträge in Hochzins-Phasen können künftig von den Versicherungsgesellschaften nicht annähernd eingehalten werden. Der privaten Altersversorgung einer ganzen Generation droht ein finanzielles Desaster.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon weist klar darauf hin, daß die Sparer „praktisch enteignet“ werden. Die weitere Zinssenkung verunsichere die Sparer in ganz Europa, statt der von der EZB erhofften Impulse für die Wirtschaft in den Krisenländern werden in hohem Masse Vermögenswerte zerstört. Mangels rentabler Anlage-Alternativen drohen in Aktien- und Immobilienmärkten neue Preisblasen mit erheblichem Rückschlagspotential. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Handelskammertages DIHK, spricht von „erheblichen Risiken durch die Niedrigzinspolitik“.

Auch den südeuropäischen Euro-Ländern kann die EZB-Zinspolitik weiter schaden. Sofern die lokalen Banken tatsächlich die Kreditschleusen in Frankreich, Italien oder Spanien öffnen, könnte die jeweilige Volkswirtschaft in der Tat kurzfristig Wachstumseffekte darstellen. Dies kann sich allerdings auch als „Schein-Erfolg“ erweisen. Die bestehenden Wettbewerbsnachteile (z.B. aufgrund des Reformstaus in Frankreich) würden dadurch alleine nämlich nicht beseitigt. Im Ergebnis droht eine weiterhin dynamisch anwachsende Staatsverschuldung dieser Staaten, die die jeweiligen Volkswirtschaften bei künftig ansteigenden Preisen und zunehmender Inflation – und damit tendenziell ansteigendem Zinsniveau – weiter in die Krise reißt. Die übermäßige Liquidität und die ultraniedrigen Zinsen reduzieren zudem massiv den Reformdruck in den EU-Krisenstaaten. Für Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Institutes, stellt die EZB-Zinsentscheidung den „verzweifelten Versuch“ dar, „mit noch billigerem Geld und Strafzinsen auf Einlagen die Kapitalströme nach Südeuropa umzuleiten und dort so die Wirtschaft anzukurbeln“.

Dem europäischen Akut-Patient Griechenland wird voraussichtlich auch eine EZB-Nullverzinsung mittel- und langfristig nicht helfen. Die inländische Wirtschaft ist dort bereits durch die von der EU verordnete Sparpolitik massiv geschrumpft, eine Kreditversorgung der verbleibenden Wirtschaftsakteure kann mittelfristig keine bzw. keine ausreichenden nachhaltigen Effekte auf die erforderliche Steigerung des BIP auslösen. Bereits heute kann Griechenland nur mit weiterer Unterstützung der EU und andauernden Hilfszahlungen den Kapitaldienst für die eigenen Staatsanleihen leisten. Eine vollständige Rückzahlung der Altschulden kann aus heutiger Sicht nahezu ausgeschlossen werden.

Im Ergebnis muss es für Griechenland einen drastischen Euro-Schuldenschnitt („Haircut“) geben, der sich dann wiederum aufgrund der faktisch bestehenden Übernahmegarantien der EU negativ auf die europäischen Steuerzahler auswirken wird (Sozialisierung der Verluste). Alternativ müsste Griechenland aus dem Euro-Raum ausscheiden (eine Möglichkeit, die „politisch“ derzeit allerdings mehrheitlich nicht gewollt ist) oder eine – mehr oder weniger geordnete – Staatsinsolvenz durchführen (hierfür gibt es derzeit noch keinerlei verbindliche Regelungen innerhalb der EU).

Es ist also durchaus möglich, dass die geldpolitischen Maßnahmen der EZB die aktuellen wirtschaftlichen Probleme der europäischen Krisenstaaten weiter verstärken. Ein beschleunigter Anstieg der Schuldenquote einiger Euro-Länder könnte im Falle von konjunkturell entstehenden Preissteigerungseffekten, inflationären Entwicklungen sowie künftig wieder steigenden Geld- und Kapitalmarktzinsen dazu führen, dass die gesamte Verschuldungssituation im Euro-Raum dramatisch ansteigt und weitere Länder diese Schulden nicht mehr bedienen können. Die Folgen – insbesondere für Deutschland – wären dramatisch und nicht kalkulierbar.

Wollen wir das „Friedensprojekt Europa“ so leichtfertig aufs Spiel setzen?

Sind wir bereit und vor allem auch wirtschaftlich langfristig in der Lage, einen immer weiter ansteigenden Solidarbeitrag für den Euro-Raum zu erwirtschaften?

Es muss jetzt schnell politisch besonnen aber wirtschaftlich sinnvoll gehandelt werden, um unsere Wirtschaftskraft und damit unseren Wohlstand in Deutschland und den Frieden in Europa nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen!

Machen Sie mit und mischen Sie sich aktiv ein – JETZT!

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