Nettoverzinsung bei Kapitalanlagen in Lebensversicherungen (1980-2012)http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/versicherungsunternehmen-bafin-erklaert-lebensversicherung-zum-auslaufmodell-seite-all/10070554-all.html


Nettoverzinsung bei Kapitalanlagen in Lebensversicherungen (1980-2012)

Die private Altersversorgung der Deutschen steht vor einem Paradigmenwechsel: In den vergangenen Jahren nahm die Attraktivität der von den Deutschen immer noch für die private Altersversorgung bevorzugten Kapitalanlage „Lebensversicherung“ kontinuierlich ab. Dabei nutzen noch immer ca. 60% der deutschen Privatanleger das Produkt „Lebensversicherung“ zur Vermögensanlage bzw. Altersvorsorge.

Die Nettoverzinsung in den vergangenen Jahren lag in dieser Anlagekategorie gerade noch bei knapp über 4% und profitierte dabei aus den noch relativ hochverzinslichen internationalen Langfristanlagen in den Portfolios der Gesellschaften aus den vergangenen Jahren (Quelle: Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Berlin).

Die Niedrigzinspolitik der weltweiten Zentralbanken aus der jüngeren Vergangenheit wird sich voraussichtlich ab 2015 massiv in dramatisch sinkenden Nettoverzinsungen bei Kapital-Lebensversicherungen widerspiegeln. Dies gilt natürlich auch für den Produktbereich der Privaten Rentenversicherungen. Dann kann erwartet werden, daß die Gesellschaften wohl nur noch Nettoverzinsungen von maximal 3% erwirtschaften können und das bei Eingehen erheblich höherer Anlagerisiken. Dagegen stehen Renditeversprechen der Gesellschaften bei abgeschlossenen Verträgen – insbesondere aus Mitte der 1980er Jahre sowie um 2000 – in Höhe von 6% oder 7% (neben der garantierten Verzinsung wurde in Verlaufsrechnungen eine großzügige „Überschussbeteiligung“ eingerechnet). Die prognostizierten Ablaufleistungen (Auszahlungssummen im Erlebensfall) bei diesen Langfristverträgen reduzieren sich somit im Vergleich zur Angebotslegung oft um mehrere zehntausend Euro.

Noch ist der aktuelle Vertragsbestand sowie das gesamte Versicherungsvolumen in Lebens- und Rentenversicherungen stagnierend auf ermäßigtem Niveau, allerdings steigen bereits die Stornoquoten, d.h. die Anzahl der Vertragsauflösungen im Verhältnis zu den bestehenden Verträgen, bei den Gesellschaften spürbar an. Den ersten Anlegern wird die Problematik ihrer als stabil und rentabel unterstellten Altersvorsorge klar, sie lösen die Verträge trotz dabei entstehendem Kapitalverlust auf und suchen sich (kurzfristige) Alternativanlagen. Ebenso boomt derzeit der Zweitmarkt für Kapital-Lebensversicherungen, über den Verträge an Dritte verkauft werden, ohne eine Vertragsauflösung vornehmen zu müssen.

Sobald den privaten Anlagekunden noch intensiver und vor allem in der Breite bewußt werden wird, daß sie künftig teilweise mit negativen Real-Renditen bei ihren Kapitalanlagen der als sicher eingeschätzten privaten Altersversorgung rechnen müssen und damit das Vermögen für die Altersvorsorge drastisch schwindet, wird das Neugeschäft der Versicherungsgesellschaften signifikant einbrechen und die Stornoquoten werden gleichzeitig dramatisch ansteigen.

In den vergangenen Jahren ist bereits eine starke Zurückhaltung der Anleger bei der sog. „Riester-Rente“ zu beobachten. Diese staatlich massiv geförderte Anlageform (Aufbau einer weiteren Säule der privaten Altersvorsorge neben der gesetzlichen sowie betrieblichen Rente) wird derzeit kaum mehr von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen genutzt, die Zahl der abgeschlossenen Verträge bleibt mit ca. 11 Mio. weiterhin deutlich unter den Erwartungen des Fördergebers sowie der Gesellschaften. Sehr intransparente Vertragskonstruktionen, komplizierte und damit schwer verständliche Förderberechnungen, ein hoher administrativer Aufwand sowie nicht zuletzt die zunehmend negative Berichterstattung über unverhältnismäßig hohe (interne) Kosten der Verträge schrecken Anleger vor Neuengagements trotz attraktiver staatlicher Fördersätze ab. Noch ist es für eine abschließende Bewertung zu früh, es zeichnet sich aber ab, daß die staatliche Förderung weniger bei den Privatanlegern als vielmehr bei den Versicherungsgesellschaften über die Berechnung entsprechender Kosten ankommt.

Sofern es den Versicherungsgesellschaften nicht kurzfristig gelingen sollte, attraktive Anlagealternativen zu erschließen bzw. Produktinnovationen rund um das Lebens- und Rentenversicherungsgeschäft zu entwickeln, prognostizieren Experten bereits den „Tod“ der Lebensversicherung. Die Finanzaufsichtsbehörde BaFin erklärt die traditionellen Lebensversicherung bereits zum „Auslaufmodell“ (http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/versicherungsunternehmen-bafin-erklaert-lebensversicherung-zum-auslaufmodell-seite-all/10070554-all.html). Sollten sich diese Prognosen bewahrheiten, wird es im Ergebnis zu massiven Ertragseinbußen bei den Gesellschaften und in der Folge zu einschneidenden Kosten- und Personaleinsparungsmaßnahmen kommen müssen.

Und die spannende Frage wird dann vor allem auch sein: Welche Produkte verkaufen die über 250.000 freien (selbständigen) Versicherungsvertreter, Finanzvertriebe, Makler und Ausschließlichkeitsagenten eigentlich künftig ihren Kunden?

Und wieviele der Agenturen und Handelsvertretungen – insbesondere heikel bei sog. „Finanz-Strukturvertrieben“ – werden mittel – und langfristig bei dramatisch sinkenden Provisionserlösen bei einem ihrer Top-Produktbereiche überleben?

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Ein Gedanke zu „Nettoverzinsung bei Kapitalanlagen in Lebensversicherungen (1980-2012)http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/versicherungsunternehmen-bafin-erklaert-lebensversicherung-zum-auslaufmodell-seite-all/10070554-all.html

  1. AfD-Goslar sagt:

    […] 30.06.2014 hatte ich in einem Blog-Beitrag (https://matzkeblog.wordpress.com/2014/06/30/nettoverzinsung-bei-kapitalanlagen-in-lebensversicherunge&#8230😉 erst auf die massiven negativen Auswirkungen der EZB-Niedrigzinspolitik auf die […]

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